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»Meine acht Minuten mit Steinbrück« Unser Mitglied Herr Wilhelm Knaup aus Greven telefoniert mit dem Ministerpräsidenten – auch eine Erfahrung Am Nachmittag des 3. Dezember 2003 bin ich dem Aufruf unserer Kollegin und VdK-Mitkämpferin Frau Himpler, Aachen,gefolgt und habe die Hotline des Schulministeriums angerufen, um dort meine Anregungen und Ideen loszuwerden. Ich beschrieb einer freundlichen Dame meinen Ärger darüber, daß sich die Landesregierung immer neu weigert, die überkommene Lehrerarbeitszeitregelung zu modernisieren, um so die Ausbeutung der in zwei Fächern korrigierenden Kollegen und Kolleginnen in aller Ruhe weiter betreiben zu können. Ich las ihr das wunderschöne Zitat aus dem Interview vor, das der PISA-Guru Prof. Baumert der ZEIT im Oktober gegeben hat (schließlich ist eine Reform der Lehrerarbeitszeit überfällig, in der sich die tatsächliche Belastungsstruktur abbildet), ergänzte dies durch ein weiteres Zitat aus einem Brief des großen Mannes aus Berlin, den er mir Anfang November als Antwort auf einen Brief hatte zukommen lassen, den ich ihm auf das ZEIT-Interview hin geschrieben hatte (»Sie wissen selbstverständlich, daß die derzeitige Deputatregelung gemessen an der tatsächlichen Arbeitsbelastung alles andere als gerecht, geschweige denn professionell ist.« O-Ton Prof. Baumert). Danach bat ich sie darum, ihren Auftraggebern auszurichten, daß die Bandbreitenregelung so gut wie nirgendwo umgesetzt werde und auch ein schlechter Lösungsversuch sei, weil damit den Ergebnissen der nunmehr schon drei Jahre alten Mummert+Partner Untersuchung nicht Rechnung getragen werde. In diesem Moment unterbrach mich die Dame und sagte: »Das sagen Sie doch dem Minister mal persönlich.« Meine Gegenfrage »Welchem Minister?« hörte sie schon gar nicht mehr, aber ich hörte kurz und knapp: »Steinbrück. Mit wem habe ich es zu tun.« Ich war auf alles vorbereitet, nur nicht darauf, mit dem Ministerpräsidenten konfrontiert zu werden. Mir war überhaupt nicht bekannt, daß eine solche Telephonstunde lief. Glücklicherweise hatte ich ja alle meine Texte vor der Nase und las Herrn Steinbrück dann die Baumert-Zitate vor (keine Kommentierung seinerseits),dann fragte ich ihn, ob er die Bandbreitenregelung für ein wirksames Mittel zur Beseitigung der schlimmsten Auswüchse der Ausbeutung (Wort habe ich so verwendet) der Korrekturfachlehrer hielte,was er damit beantwortete, daß NRW z.Zt. nicht mehr leisten könne. Darauf habe ich ihn gefragt, ob das bedeute, daß wir Korrekturfachlehrer in den nächsten Jahrzehnten mit der auch von Prof. Baumert diagnostizierten Ungerechtigkeit, die auch von mangelnder Professionalität im Ministerium zeuge, weiterleben müßten. Ich hätte bisher immer geglaubt, die Sozialdemokraten seien in besonderer Weise an Gerechtigkeit interessiert. Sofort sein Einwurf: »Das wird auch in Zukunft so sein.« Darauf erwiderte ich dann, daß nicht nur die Korrekturfachlehrer, die fortwährend sechs oder sieben Kurse und Klassen zu korrigieren hätten, sich völlig ungerecht behandelt fühlten, sondern daß die gegenwärtige Lehrerarbeitsregelung ja auch vom PISA- Forscher Baumert ungerecht, unprofessionell und dringend reformbedürftig genannt worden sei, wie ich ihm gerade vorgetragen hätte. Dann habe ich noch angehängt, daß ich in der Zeitung gelesen hätte, seine Gattin sei auch Gymnasiallehrerin. »Ja, sie unterrichtet Biologie und Staatsbürgerkunde.« (Er meinte wohl Politik.) »Ja, sie hat mir gegenüber auch schon angemerkt, daß es ganz unterschiedliche Korrekturbelastungen gibt. Ich nehme mal an, Herr Knaup, daß Sie mir sagen wollen, daß die Fächer Sport und Kunst für sie weniger arbeitsintensiv wären.« Meine Zustimmung dazu bekam er natürlich. Ich habe dann noch ergänzt, daß es mir nicht auf mehr Geld ankäme, ich hielte mein Gehalt, trotz der Kürzungen, noch für menschenwürdig, mit meinen Korrekturkollegen läge mir endlich an einer Senkung der fortwährenden Korrekturhöchstbelastung,die einem jegliche Freude am Beruf nähme und verhindere, daß man vernünftig vor- und nachbereiteten Unterricht durchführen könne. Der Dreh- und Angelpunkt bliebe für mich aber die offenkundige, gezielt weiter praktizierte und gegen alle sachlichen Einwände beibehaltene Ungerechtigkeit von Seiten des Schulministeriums. Danach habe ich erwähnt, daß das Bundesland Hamburg seit dem 1.8.d.J. eine Lehrerarbeitszeitreform praktiziere, die ohne finanziellen Mehrbedarf auskomme und zum ersten Mal in der deutschen Nachkriegsgeschichte den Versuch unternehme, die Tätigkeitsstruktur der Lehrer nach den tatsächlichen Belastungen neu zu ordnen. Dabei liefe ohne Zweifel noch viel falsch, aber es sei immerhin der Versuch, mehr Gerechtigkeit durch variable Unterrichtsdeputate zu erzielen. Der Nachteil dieser Regelung sei aber, daß sie nicht von der SPD komme. Seine Antwort war dann: »Das spielt für mich keine Rolle. Ich habe keine ideologischen Scheuklappen.Ich sehe, daß es da tatsächlich Gesprächsbedarf gibt. Sie werden bald vom Staatssekretär aus dem Schulministerium hören.« Er hat sich höchstpersönlich meine Telephonnummer notiert und darum gebeten, Verständnis dafür zu haben, daß er auch noch anderen an Schule interessierten Bürgern und Bürgerinnen Gelegenheit geben wolle, ihm ihre Anliegen vorzutragen. […] Bei dieser Telephonstunde handelte es sich um eine Public-Relations-Maßnahme einer in einem Umfragetief von Machtverlustängsten geplagten Regierungspartei, aber für uns wäre ja schon etwas gewonnen, wenn wir einmal ein weiterführendes Gespräch mit den zuständigen Leuten im Ministerium führen könnten. Oder??? Willy Knaup, Greven
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