Das »Bandbreitenmodell«
keine Lösung
Der Schulleiter wehrt ab, die Lehrerkonferenz verweigert sich Der Schulleiter wehrte dieses Ansinnen ab. Er sagte, dass er nicht vorhabe, all zu viel an der bisherigen Regelung zu ändern. Schließlich müsse er ja auch andere Begehrlichkeiten befriedigen, die auf dasselbe Stundenkontingent Anspruch hätten. Und schließlich sei er auch dem Betriebsfrieden verpflichtet. Ich solle mir also bitte keine übertriebenen Hoffnungen machen. Am 26.2.2002 fand eine Lehrerkonferenz statt, auf deren Tagesordnung das Bandbreitenmodell als Tagesordnungspunkt 8 erschien. Der Schulleiter verließ die Konferenz vor diesem Tagesordnungspunkt, da er andere Termine wahrzunehmen hatte. Der Lehrerrat informierte das Kollegium in Ansätzen über die Möglichkeiten des Bandbreitenmodells, wobei er besonders auf den Umstand abhob, dass die Stundenzahl der Nicht-Korrektur-Lehrer erhöht werden könnte. Dies lehne der Lehrerrat grundsätzlich ab. Der Lehrerrat empfahl, die endgültige gesetzliche Regelung abzuwarten, die erst zu Beginn des neuen Schuljahres zu erwarten sei. Im übrigen wurde wiederholt darauf hingewiesen, dass dem Betriebsfrieden ein höherer Wert zuzuweisen sei als den in den Augen des Lehrerrats fragwürdigen Ansprüchen Einzelner. Hintergründe Das Kollegium der Maria-Wächtler-Schule setzt sich im Augenblick aus 59 hauptamtlichen Kollegen zusammen. Davon sind zehn durch zwei Korrekturfächer belastet, 31 vertreten ein Korrekturfach, zwölf sind ohne Korrekturfach. Schulleitung und Lehrerrat haben eindeutig klar gemacht, dass sie zu einem Konflikt mit 43 Kollegen, die mit der jetzigen Regelung Vorteile haben, gegenüber zehn Kollegen, die davon profitieren würden, nicht bereit sind. Die Konfliktbereitschaft beziehungsweise die Bereitschaft, eine erhebliche ungleiche Belastung überhaupt anzuerkennen ist in meiner Erfahrung auch durch mehrere Faktoren gemindert:
Keine Lösung durch das »Bandbreitenmodell« Der von der Schulverwaltung beschrittene Weg, die Entlastung der Korrekturlehrer in den Entscheidungsbereich der einzelnen Schule zu verlagern, geht an den tatsächlichen Bedingungen und Machtverhältnissen innerhalb der Schulen vorbei und wird das vorgebliche Ziel, die Belastung innerhalb der Schulen auszugleichen, nicht erreichen. Er trägt vielmehr dazu bei, dass bei den Betroffenen auch bei mir der Eindruck entsteht, dass an der tatsächlichen Lösung keinerlei Interesse besteht, sondern lediglich in der Öffentlichkeit der Eindruck erweckt werden soll, dass ein Missstand aus der Welt geschafft worden ist. Der gesunde Menschenverstand sollte eigentlich vorhersehen lassen, dass eine rationale und faire Entscheidung nicht möglich ist, wo das Eigeninteresse so vieler eine Rolle spielt. In der Regel bin ich als Doppelkorrigiererin häufig Argumenten ausgesetzt, die am Sachverhalt der höheren zeitlichen Belastung vorbeigehen. So werde ich der Dummheit geziehen (»Mädchen, da haben Sie eben einen Fehler gemacht vor 30 Jahren!«), es wird mir vorgeworfen, ich mache zu viel Aufhebens von Korrekturen (»So ne Unterstufen-Korrektur würde ich glatt in einem halben Nachmittag erledigen! Ich muss in Bio auch Tests schreiben lassen!«) oder es wird mir Geldgier vorgeworfen (»Warum willst du eine volle Stelle haben? Es gibt Wichtigeres im Leben als ein bisschen Geld.«). Durch die neue Regelung der Lehrpläne hat sich die Belastung in den Fächern Deutsch und Englisch in meiner individuellen Erfahrung ganz erheblich erhöht. Allein die Einführung der Facharbeiten und der Parallelarbeiten sowie der Fortbildungsaufwand für die neu in den Lehrplan eingeführten Themen wie media literacy haben in meinem Fall zu einer Erhöhung meiner Arbeitszeit um mindestens 40 Wochenstunden im Halbjahr geführt. (Ich bin von zwei Parallelarbeiten in der Unterstufe und einer Parallelarbeit in der Oberstufe betroffen und habe vier Facharbeiten zu betreuen und zu korrigieren.) Die Reduzierung der Zahl der Korrekturen pro Klasse greift für meinen Fall nicht, da die gleichzeitige Erhöhung der Unterrichtsstunden beziehungsweise die Reduzierung der Stundenanzahl in Leistungskursen in meiner Kombination nur zu weiteren Korrekturbelastungen führt. Wenn es der Schulverwaltung tatsächlich darauf ankommen sollte, die Belastung der einzelnen Fächer, die ja durch curriculare Vorgaben ausgelöst sind, gerecht zu gestalten, so ist es ihre Aufgabe für Gerechtigkeit zu sorgen. Der beschrittene Weg ist ineffektiv und führt langfristig zu zynischen Reaktionen und Qualitätsabsenkung im Unterricht. E. Bär-Bellermann, Essen
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