»Herr, schmeiß Entlastungsstunden vom Himmel!«




In Zeiten finanzpolitischer Engpässe und entsprechender Prioritätenverschiebung hat eine bloß quantitative Forderung nach mehr Entlastungsstunden für uns Lehrer nicht den Hauch einer Chance auf Verwirklichung. Wird sie von Verbandsfunktionären vorgetragen, hat sie bloß Placebo-Charakter. Für diejenigen aber, die wie die Korrekturfachlehrer jahrein, jahraus weit mehr als der Durchschnitt der Lehrer arbeiten, hat diese Forderung zynischen Charakter – eben weil sie unrealisierbar ist.

Kein Geld nur für die Entlastung der Lehrer

Bildungs- oder Finanzpolitiker in NRW werden sich nur dann für eine Entlastung der Lehrer einsetzen, wenn das dafür benötigte Geld auch dazu dient, die Qualität der Schule zu verbessern.

Allein ein modernes Jahresarbeitszeitmodell, wie die Vereinigung der KorrekturfachlehrerInnen es fordert, wird dazu führen, dass sowohl Lehrer entlastet als auch die Qualität der Schule verbessert wird. Wie?

  • Ein Jahresarbeitszeitmodell begrenzt die Arbeitszeit nach oben. Für manche Lehrer ist das nicht das Problem, sie gehören zu denjenigen, die mit 1200 Arbeitsstunden durchs Berufsjahr kommen (die Arbeitszeitstudie von Mummert + Partner hat gezeigt, dass es dieses Jahresarbeitspensum gibt). Anders sieht es für diejenigen aus, die deutlich über 2000 Arbeitsstunden im Jahr bewältigen müssen: Sie müssen soviel arbeiten, damit die gut 1900 Stunden Jahresarbeitszeit herauskommen, die im Schnitt die NRW-Gymnasiallehrer jährlich leisten. Ach ja: Der übrige öffentliche Dienst in NRW leistet 1804 Arbeitsstunden pro Jahr.
  • Ist die Jahresarbeitszeit des Lehrers bei 1804 Stunden »gedeckelt«, dann kann keine Schulaufsicht und kein Schulleiter noch mal eben eine Sonderaufgabe oben drauf packen, es sei denn, dafür wird an anderer Stelle das Arbeitszeitvolumen des jeweiligen Lehrers entsprechend verringert. Permanente Überbelastung wie bei Doppel-Korrigierern wird es dann nicht mehr geben.
  • Hat auch ein Mathematik- und Englischlehrer nicht mehr als 1804 Arbeitsstunden im Jahr zu bewältigen, dann kann er endlich seinen Unterricht wieder ohne Hetze vorbereiten, er kann mehr zum schulischen Leben beitragen, er kann sich im Beruf leichter und regelmäßiger fortbilden, er kann sich um sein berufliches Fortkommen kümmern und er kann mit seiner Familie vielleicht auch mal wieder öfter etwas am Wochenende unternehmen.
  • Das Jahresarbeitszeitmodell zeigt zudem für alle sichtbar, welche vielfältigen berufliche Aufgaben außerhalb des Klassenzimmers der heutige Lehrer zu tun hat. Denn es ist ja eine Illusion, die die Wochenstunden-Deputatsregelung erzeugt: die Illusion, dass es im Lehrerberuf nur um Unterrichtsstunden gehe und nicht auch um die Dutzende anderer Aufgaben, die außerhalb des Klassenzimmers zu bewältigen sind.

Abschied von den Töpfen

»Aufstockung der Entlastungstöpfe«? Was in den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts noch halbwegs funktionierte, als Gymnasiallehrer weniger als 25,5 Unterrichtsstunden pro Woche zu leisten hatten und einen wesentlich weniger arbeitsverdichteten Beruf ausübten als heute – was also in den Achtzigern noch ging, das ist der Realität des modernen Lehrerberufs nicht mehr angemessen. Es wird nie mehr so wiederkommen. Und illegal ist die Handhabung der Entlastungstöpfe wahrscheinlich auch, wie ein Urteil des Erfurter Bundessozialgerichts nahe legt.




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Stand: 12.11.2009