»Warum hast du denn nicht auch Sport und Erdkunde studiert?«

Die schlausten und blödesten Argumente, mit denen die Wenigkorrigierer unter den Lehrern unsere Forderung nach einer gerechten Berücksichtigung von Korrekturarbeit in der Schule bekämpfen – und wie man sich dagegen wehrt



 

Argument Nummer 1

»Warum hast du denn nicht solche Unterrichtsfächer studiert, in denen wenig oder keine Korrekturen anfallen?«

Das haben Sie sich als Vielkorrigiererin oder Vielkorrigierer schon oft anhören müssen: das Argument, Sie hätten sich das Elend mit dem Korrigieren durch die wenig clevere Fächerwahl selbst eingebrockt und stattdessen ja von vornherein eine »leichtere« Fächerwahl treffen können. So nichtswürdig, verächtlich und zynisch das »Argument« ist – sprachlos sollten Sie es nicht hinnehmen. Wehren Sie sich, indem Sie auf das Lehrerbild in der Öffentlichkeit und auf den Wert der Korrekturarbeit hinweisen:

  • Die Fächerwahl der Lehrer spiegelt wie in allen anderen Berufen die Begabungen und Neigungen der Berufstätigen wider und orientiert sich – allen Behauptungen von der angeblich berufstypischen »Faulheit« der Lehrer zum Trotz – nicht am Prinzip der Arbeitsvermeidung.
  • Das gilt auch hinsichtlich solcher Fächer, in denen regelmäßig und obligatorisch schriftliche Leistungsüberprüfungen stattfinden, die als Klassen- oder Kursarbeiten bekannt sind und diesen Fächern in der öffentlichen Diskussion den Oberbegriff „Hauptfächer“ eingetragen haben, der nach Jahrzehnten der Vermeidung inzwischen wieder unbefangener benutzt wird, weil er das entscheidende Unterscheidungskriterium dieser Fächer gegenüber allen anderen Fächern zum Ausdruck bringt: Die „Hauptfächer“ entwickeln zentrale Kategorien des Wahrnehmens und Handelns in der Welt und stellen sie dabei den anderen Fächern, den „Nebenfächern“ eben, zur Verfügung. Dass sie dabei auf Schriftlichkeit setzen und diese durch immer komplexere Lese- und Schreibaufgaben stärker und systematischer als andere Fächer trainieren, ist kein Konstruktionsfehler dieser Fächer, der den Lehrern angelastet werden kann, die ein solches Fach vertreten.
  • In der nicht-schulischen Öffentlichkeit wird man für das Argument, man hätte doch besser Unterrichtsfächer mit wenig oder ohne Korrekturen wählen sollen, keinerlei Verständnis ernten. Die Logik, mit der dieses Argument den Anspruch der Korrekturfachlehrer auf angemessene Entlastung ihrer Korrekturarbeit widerlegen soll, ist für einen Beobachter von außerhalb besonders verbogen und abseitig. Sie nötigt ihm den Schluss auf, dass die diffamierenden Behauptungen vom arbeitsscheuen Lehrer nicht ganz ohne Berechtigung sind: Wie anders soll er es sich erklären, dass die Korrekturarbeit, die objektiv und quantifizierbar existiert und geleistet wird, gerade von solchen Lehrern als Quantité négligeable dargestellt wird, die durch ihre Fächerwahl ohnehin wenig oder nichts zu korrigieren haben?
  • Das Argument, man hätte sich bei der Fächerwahl doch auch ein bisschen schlauer anstellen und weniger arbeitsintensive Fächer studieren können, unterschlägt den entscheidenden Sachverhalt: Auch im öffentlichen Dienst, auch bei den Lehrern wird das Gehalt nicht für die Gerissenheit gezahlt, mit der der Beschäftigte durch geschickte langfristige Lebensplanung die Arbeit meidet, sondern es wird gezahlt für Arbeit, die tatsächlich geleistet wird. Objektiv, unbestreitbar und quantitativ messbar leistet ein Korrekturfachlehrer eine Arbeit, der auf seiten des Nicht-Korrekturfachlehrers nichts gegenübersteht. Geleistete Arbeit aber muss vergütet werden – der älteste Grundsatz der Arbeiterbewegung.

Weiter zum Argument Nummer 2

»Sei doch mal tolerant gegenüber denjenigen, die nicht soviel wie du oder gar nichts korrigieren müssen!«



redaktion@korrekturfachlehrer.de

gratis counter
Stand: 11.07.2008