»Warum hast du denn nicht auch Sport
und Erdkunde studiert?«
Die schlausten und blödesten Argumente, mit
denen die Wenigkorrigierer unter den Lehrern unsere Forderung nach einer
gerechten Berücksichtigung von Korrekturarbeit in der Schule bekämpfen
und wie man sich dagegen wehrt
»Warum hast du denn nicht solche Unterrichtsfächer
studiert, in denen wenig oder keine Korrekturen anfallen?«
Das haben Sie sich als Vielkorrigiererin oder Vielkorrigierer
schon oft anhören müssen: das Argument, Sie hätten sich
das Elend mit dem Korrigieren durch die wenig clevere Fächerwahl
selbst eingebrockt und stattdessen ja von vornherein eine »leichtere«
Fächerwahl treffen können. So nichtswürdig, verächtlich
und zynisch das »Argument« ist – sprachlos sollten Sie
es nicht hinnehmen. Wehren Sie sich, indem Sie auf das Lehrerbild in der
Öffentlichkeit und auf den Wert der Korrekturarbeit hinweisen:
Die Fächerwahl der Lehrer spiegelt wie in
allen anderen Berufen die Begabungen und Neigungen der Berufstätigen
wider und orientiert sich allen Behauptungen von der angeblich
berufstypischen »Faulheit« der Lehrer zum Trotz nicht
am Prinzip der Arbeitsvermeidung.
Das gilt auch hinsichtlich solcher Fächer,
in denen regelmäßig und obligatorisch schriftliche Leistungsüberprüfungen
stattfinden, die als Klassen- oder Kursarbeiten bekannt sind und diesen
Fächern in der öffentlichen Diskussion den Oberbegriff „Hauptfächer“
eingetragen haben, der nach Jahrzehnten der Vermeidung inzwischen wieder
unbefangener benutzt wird, weil er das entscheidende Unterscheidungskriterium
dieser Fächer gegenüber allen anderen Fächern zum Ausdruck
bringt: Die „Hauptfächer“ entwickeln zentrale Kategorien
des Wahrnehmens und Handelns in der Welt und stellen sie dabei den anderen
Fächern, den „Nebenfächern“ eben, zur Verfügung.
Dass sie dabei auf Schriftlichkeit setzen und diese durch immer komplexere
Lese- und Schreibaufgaben stärker und systematischer als andere
Fächer trainieren, ist kein Konstruktionsfehler dieser Fächer,
der den Lehrern angelastet werden kann, die ein solches Fach vertreten.
In der nicht-schulischen Öffentlichkeit wird
man für das Argument, man hätte doch besser Unterrichtsfächer
mit wenig oder ohne Korrekturen wählen sollen, keinerlei Verständnis
ernten. Die Logik, mit der dieses Argument den Anspruch der Korrekturfachlehrer
auf angemessene Entlastung ihrer Korrekturarbeit widerlegen soll, ist
für einen Beobachter von außerhalb besonders verbogen und
abseitig. Sie nötigt ihm den Schluss auf, dass die diffamierenden
Behauptungen vom arbeitsscheuen Lehrer nicht ganz ohne Berechtigung
sind: Wie anders soll er es sich erklären, dass die Korrekturarbeit,
die objektiv und quantifizierbar existiert und geleistet wird, gerade
von solchen Lehrern als Quantité négligeable dargestellt
wird, die durch ihre Fächerwahl ohnehin wenig oder nichts zu korrigieren
haben?
Das Argument, man hätte sich bei der Fächerwahl
doch auch ein bisschen schlauer anstellen und weniger arbeitsintensive
Fächer studieren können, unterschlägt den entscheidenden
Sachverhalt: Auch im öffentlichen Dienst, auch bei den Lehrern
wird das Gehalt nicht für die Gerissenheit gezahlt, mit der der
Beschäftigte durch geschickte langfristige Lebensplanung die Arbeit
meidet, sondern es wird gezahlt für Arbeit, die tatsächlich
geleistet wird. Objektiv, unbestreitbar und quantitativ messbar
leistet ein Korrekturfachlehrer eine Arbeit, der auf seiten des Nicht-Korrekturfachlehrers
nichts gegenübersteht. Geleistete Arbeit aber muss vergütet
werden der älteste Grundsatz der Arbeiterbewegung.