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Unser
Mitglied Herr Wilhelm Knaup aus Greven hat sich Gedanken gemacht über
die fixe Propaganda-E-Mail des »Philologen-Verbandes« noch
am Abend des Oberverwaltungsgerichtsverfahrens in Münster am 17.
März 2004
Die Tinte unter dem Urteil des Oberverwaltungsgerichts
Münster war kaum trocken, da schickte am 17. März 2004, 20:19
MEZ, der »Philologen-Verband NRW« eine »Info-E-Mail«
an die Leiterinnen und Leiter aller Gymnasien in NRW herum. Was soll man
davon halten?
- Mit dieser Info-Mail wird der Philologen-Verband
NRW unverschämt, indem er sich als Trittbrettfahrer demaskiert.
In Punkt 1 seiner Erstinformation heißt es:
Das Oberverwaltungsgericht (OVG NRW) hat mit Urteilen vom 16. 3. 2004
– das Verfahren wurde mit Unterstützung des Philologen-Verbandes
geführt – die besondere Belastung der Lehrerinnen und Lehrer
durch Korrekturen anerkannt.
Nur ein Urteil beschäftigt sich mit der unerträglichen
Arbeitsbelastung der Vielkorrigierer
Hierzu ist festzustellen, dass sich nur eines der beiden Urteile
vom 16. 3. 2004 auf die unerträglich hohe Arbeitsbelastung der
Korrekturfachlehrer in NRW bezieht, nämlich das Urteil, das den
Fall unseres Kollegen Heiner Hülsmann, Dusiburg, in letzter Instanz
entschieden hat. Der Kollege Hülsmann ist seit Jahren Mitglied
der Vereinigung der KorrekturfachlehrerInnen, mit deren Unterstützung
sein Verfahren alle Phasen und Instanzen bis zum Teilerfolg der OVG-Entscheidung
v. 16. März 2004 durchlaufen hat.
- Die mündliche Verhandlung des 6. Senats
des OVG NRW begann am 16. März 2004 damit, dass der Vorsitzende
Richter verkündete, der Senat habe den Fall des Kollegen Hülsmann
mit der Behandlung des Falles des Herrn Bongers verbunden. Eine sachliche
Begründung, die über die Feststellung hinaus ging, beide Fälle
seien von der Materie miteinander verwandt, lieferte der Vorsitzende
Richter auch nach Einwendungen des unseren Kollegen Hülsmann vertretenden
Rechtsanwalts Dr. Schmiemann nicht.
Vom Philologen-Verband ließ sich im Gericht keiner blicken
Der Philologen-Verband NRW hat es wohlweislich konsequent auch vermieden,
sich durch die Anwesenheit irgendeines Mitglieds seines Vorstandes mit
dem Inhalt des Verfahrens des Herrn Bongers in einen Zusammenhang bringen
zu lassen. Weder Herr Silbernagel, noch der Justitiar Herr Cieslik,
noch irgendein anderes führendes Mitglied dieses staatstragenden
Verbandes ließ sich im Gerichtsgebäude oder im Verhandlungssaal
blicken. Vertreten waren zwar WDR und Presse, aber dem Philologen-Verband
war diese mündliche Verhandlung samt Urteilsverkündung so
peinlich, dass er sie mied, obwohl sie eine Chance zur Erläuterung
seines Standpunktes in der Öffentlichkeit geboten hätte. Auch
der den abwesenden Herrn Bongers vertretende Anwalt vermied sorgsam
jede Aussage zur Korrekturfachlehrerproblematik und ließ im Verlaufe
seiner fünf Sätze nie erkennen, dass sein Einsatz einem im
Interesse des Philologen-Verbandes geführten Musterprozess galt.
Die juristischen und sachlichen Kastanien holten ausschließlich
der glänzend vorbereitete und argumentierende Anwalt Dr. Schmiemann
und Herr Hülsmann selbst aus dem Feuer. Juristischer und argumentativer
Einsatz des Philologen-Verbandes im Verfahren vor dem OVG NRW: vollständige
Fehlanzeige.
- Daraus ergibt sich zwingend: wenn überhaupt,
dann hat der Philologen-Verband nur mit einem der beiden Urteile vom
16. März 2004 etwas zu tun, nämlich dem Urteil, das Herrn
Bongers betrifft. Dessen Urteil hat mit der Korrekturfachlehrerproblematik
jedoch nur wenig zu tun, weil Herr Bongers auf keinen Fall zu den höchstbelasteten
Korrekturfachlehrern gehört. Mit den Fächern Englisch und
Erdkunde wird sich Herr Bongers über Mangel an Arbeit zwar nicht
beklagen dürfen, aber er liegt weit hinter der Korrekturbelastung
des Kollegen Hülsmann, der die Fächer Englisch und Französisch
vertritt.
Warum bloß mit einem Englisch-und-Erdkunde-Lehrer vor Gericht
ziehen?
Während der Kollege Hülsmann jahrein, jahraus jeden seiner
Kurse und jede seiner Klassen nicht nur unterrichtlich, sondern auch
und vor allem korrekturmäßig zu betreuen hat (in der Regel
sieben Korrekturklassen oder -kurse), wird ein Lehrer mit den Fächern
Englisch und Erdkunde diese fortwährende Arbeitsbelastung nur dann
zu schultern haben, wenn er auch im Fach Erdkunde ausschließlich
in Oberstufenkursen eingesetzt wird. Dabei ist zu bemerken, dass in
den Grundkursen Erdkunde in der Regel nur ein Teil der jeweiligen Kursangehörigen
»mitschreibt«. Diese Situation tritt also für einen
Lehrer mit der Fächerkombination Englisch/Erdkunde nur selten ein.
- Dieser Sachverhalt macht deutlich, dass
der Fall des Herrn Bongers, den der Philologen-Verband NRW angeblich
unterstützt (hat), wenig hilfreich ist, um vor den zuständigen
Gerichten die Beendigung der Ausbeutung der Arbeitskraft der höchstbelasteten,
in zwei harten Korrekturfächern tätigen Kolleginnen und Kollegen
durch den Dienstherrn herbeizuführen. Sollte der Philologen-Verband
NRW tatsächlich das Ziel verfolgt haben, diesen höchstbelasteten
Kolleginnen und Kollegen zu einer Verringerung ihrer Arbeitslast zu
verhelfen, dann muss dem Vorstand und dem Justitiar des Philologen-Verbandes
NRW bestätigt werden, dass das gewählte Verfahren in höchstem
Maße von Ahnungslosigkeit hinsichtlich der Problematik und/oder
beeindruckender Stümperhaftigkeit zeugt. Wenn man wie der Philologen-Verband
für einen »Musterprozess« nicht den Fall eines fortwährend
höchstbelasteten Kollegen (Fächerkombinationen wie z.B. Deutsch/Englisch
oder Englisch/Französisch oder Deutsch/ Mathematik oder Deutsch/Pädagogik
oder Französisch/Philosophie u.ä.) auswählt, dann zeigt
das jedem Lehrer, jeder Lehrerin in NRW, dass der Philologen-Verband
ganz sicher Interessen vertritt, aber nie die der höchstbelasteten
KorrekturfachlehrerInnen.
- Mit seiner Desinformations-Mail vom 17.
März 2004 entlarvt sich der Philologen-Verband NRW erneut als routinierter
Tarner und Täuscher. Denn der Philologen-Verband NRW hat sich der
miserablen Lage der Vielkorrigierer unter den Lehrern und Lehrerinnen
von NRW noch nie so angenommen, dass deren beklagenswerte Lage nüchtern
dargestellt wurde, um dann konkrete Maßnahmen zur Abhilfe vorzuschlagen.
Vielkorrigierer: Für den Philologen-Verband bloß eine
Quantité négligeable
Da diese höchstbelastete Kollegengruppe (ca. 5 bis 10 % aller
Lehrer und Lehrerinnen in NRW) für die Führung des Philologen-Verbandes
weniger als eine »quantité négligeable » ausmacht,
hat sich der Vorstand des Philologen-Verbandes NRW auch noch nie öffentlich
zu der die Arbeitsbelastung aller anderen Lehrer und Lehrerinnen weit
hinter sich lassenden Korrektur-Heloten geäußert. Zwar fordert
der Philologen-Verband immer wieder dazu auf, den Schülern und
Schülerinnen dieses Landes »Leistung » abzuverlangen,
aber das bewegt die Apparatschiks dieses sogenannten Lehrerverbandes
keineswegs dazu, sich für eine gerechte und öffentliche Bewertung
der Leistung der KorrekturfachlehrerInnen durch den Dienstherrn NRW
einzusetzen.
- Fordern höchstbelastete KorrekturfachlehrerInnen,
die dieser Praxis als nichtsahnende Mitglieder des Philologen-Verbandes
immer noch nicht auf die Schliche gekommen sind, von der Führung
ihres Berufsverbandes ganz naiv öffentlichen Einsatz zur Erleichterung
ihres Loses, kommt immer nur der Hinweis darauf, dass man »hinter
den Kulissen » unentwegt daran arbeite.
In Untätigkeit fest verschworen
Immer findet dieser Einsatz jedoch so statt, dass niemand etwas davon
mitbekommt. Deshalb bleibt natürlich auch jeder Erfolg aus. Philologen-Verband
und GEW »kämpfen » in dieser Sache Arm in Arm, brüderlich
und schwesterlich vereint, unbeirrt und unbeirrbar, der Untätigkeit
fest verschworen.
- Der Philologen-Verband NRW hat sich mit
seiner Desinformations-Mail vom 17. März 2004 in die Lage gebracht,
sich einerseits eines »Erfolges« zu rühmen, den er
inhaltlich ablehnt, und andererseits erneut mit seinem eignen nunmehr
schon Jahre dauernden, massiven Eintreten für das Bandbreitenmodell
konfrontiert zu werden.
»Licht am Ende des Tunnels« – wann denn bitteschön?
Immerhin gibt es ein vom jetzigen PhV-Vorsitzenden Peter Silbernagel
unterzeichnetes Propagandablatt des NRWL aus 2001, das unter Verweis
auf das Bandbreitenmodell mit »Licht am Ende des Tunnels »
überschrieben wurde. Der Philologen-Verband ist der einzige Lehrerverband
in NRW, der bis heute seine Unterschrift unter das berühmt-berüchtigte
»Eckpunktepapier« vom Juni 2001 nicht zurückgezogen
hat. Ein Verband, dessen Vorstand unfähig ist, die Folgewirkungen
dieses Eckpunktepapiers und der aus ihm abgeleiteten Gesetzesänderungen
halbwegs korrekt einzuschätzen, betreibt das Geschäft des
Dienstherrn, der, vom Geist der Ausbeutung wehrloser Beamter beseelt
und von grundsätzlicher Reformfeindlichkeit motiviert, sich erst
auf höchstrichterliche Rechtsprechung hin nun gezwungen sieht,
widerwillig einen neuen Kurs einzuschlagen zu müssen. Dabei handelt
der Philologen-Verband offenkundig als Handlanger dieses Dienstherrn,
weil er sich weiterhin weigert, einen Unterschied zu machen zwischen
der unabweisbaren Überbelastung der Vielkorrigierer und der Belastung
von Kollegen und Kolleginnen, die entweder gar nicht oder deutlich weniger
korrigieren.
- In seiner Desinformations-Mail vom 17. März
04 formuliert der Philologen-Verband NW (N.B. ohne Nennung eines Namens
oder Vorstandsbeschlusses):
Die Bedenken von Philologen-Verband und Realschullehrerverband gegenüber
einer Anwendung des Bandbreitenmodells in Form einfacher Umverteilung
von Stunden bestehen nach wie vor, da dieses Modell nur bei zusätzlichen
personellen Ressourcen oder bei entsprechender Aufstockung des Entlastungstopfes
zu erträglichen Lösungen in den Kollegien führt. Eine
Regelung, die Unfrieden und Neid in die Kollegien trägt, lehnen
wir strikt ab.
Wer im Eckpunktepapier vom 6. Juni 2001 irgendeine Festlegung der Landesregierung
auf »zusätzliche personelle Ressourcen » oder eine
»Aufstockung des Entlastungstopfes » entdeckt haben sollte,
die den Kollegien ermöglichen könnte, ohne »Unfrieden
und Neid« eine Verbesserung der Lage der Korrekturfachlehrer herbeizuführen,
kann entweder nicht lesen oder er hat den Kontakt zur Wirklichkeit im
selben Ausmaße verloren, wie Politiker und Bürokraten des
Schulministeriums.
- Den Gipfel unverfrorener Unverschämtheit
erreicht die Desinformations-Mail des Philologen-Verbandes unter Punkt
5.:
Wir begrüßen das
Urteil, da es auf eine Gerechtigkeitslücke hinweist. Es bestätigt
unseren permanenten Einsatz für bessere Rahmenbedingungen, die
eine spürbare Entlastung der Korrekturbelasteten ermöglichen.
Die Mitglieder der Vereinigung der KorrekturfachlehrerInnen gratulieren
dem Philologen-Verband NRW dazu, dass er es geschafft hat, sich viele
Jahre »permanent » eingesetzt zu haben, ohne auch nur die
Spur eines Ergebnisses vorweisen zu können, das die Lage der höchstbelasteten
Korrekturfachlehrer hätte verbessern können.
Arm in Arm mit Landesregierung und GEW: unser Philologen-Verband
Bei der OVG-NRW-Verhandlung am 16. März 2004 in Münster glänzte
die Führung des Philologen-Verbandes NRW durch vollständige
personelle und argumentative Abwesenheit. Ganz ohne Zweifel wird der
Philologen-Verband NRW auch in Zukunft sein Hauptaugenmerk darauf richten,
die wohlbegründeten Interessen der Wenig- oder Garnicht-Korrigierer
zu vertreten, Arm in Arm mit der Landesregierung und der GEW.
Fazit: Leistungsträger haben beim Philologen-Verband nichts zu
suchen.
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