»Words, words, words...«

Im Frühjahr 2008 stehen in NRW wieder Personalratswahlen an. Zeitig begibt sich die VLG – die Alternative auf Wählerfang.



 

Im November 2007

Jedermann weiß, im Wahlkampf nehmen manche es mit der Wahrheit nicht so genau. Da stapeln manche auch mal ein wenig hoch. Wie sonst soll man ein von der VLG im Bezirk Düsseldorf verbreitetes Flugblatt einordnen? Unter der Überschrift »Seit 15 Jahren Vorkämpferin für Korrekturentlastung« soll den viel korrigierenden Kolleginnen und Kollegen suggeriert werden, dass niemand mehr für sie tue als die VLG.

Ein kurzer Blick auf die Homepage der Alternativen sorgt rasch für Ernüchterung, denn wie Hamlet liest man dort nur »Words, words, words« (Hamlet, II.2).

Die Stärke der Alternativen liegt ganz ohne Zweifel im Beschreiben von Problemen. Zu allem, was aktive Lehrerinnen und Lehrer im Schulalltag bedrückt, haben sie etwas zu Papier gebracht – getreu dem Motto »Je mehr wir klagen und weinen, desto wohler fühlen wir uns«. Denn jedermann weiß: Geteiltes Leid ist halbes Leid.

Doch niemand übertrifft Shakespeare als Realisten: »And yet words are not deeds« (Henry VIII; III.2). Ginge es nach den Worten von Ministerialbürokraten, Dezernenten und von Verbandsvertretern vom Schlage der VLG, hätten KorrekturfachlehrerInnen schon längst keinen Grund mehr zur Klage. Wir erfahren jedoch seit Jahren, dass uns mit Worten allein ganz und gar nicht geholfen wird. Deshalb haben die Mitglieder der Vereinigung der KorrekturfachlehrerInnen seit 1996 den Worten Taten folgen lassen:

  • Konzipiert wurde ein von der Schulwirklichkeit ausgehendes individualisiertes Lehrerarbeitszeitmodell, das die tatsächlichen Korrekturbelastungen abbildet
  • Gegen den Dienstherrn wurden mehrere Musterprozesse geführt – mit dem Ziel, die ungerechte Behandlung von Korrekturfachlehrern zu beenden
  • Gespräche mit Entscheidungsträgern der Landtagsfraktionen führten 2005 endlich dazu, diese von der Notwendigkeit einer Reform der Lehrerarbeitszeit zu überzeugen.

Über die Taten der Mitglieder der Vereinigung der KorrekturfachlehrerInnen kann sich jede Kollegin und jeder Kollege auf der Website unserer Vereinigung informieren. Dort sind sämtliche Urteile und deren Begründungen in den von unseren Mitgliedern geführten Prozessen im Wortlaut einsehbar.

Ohne die über Jahre hinweg geführten Gespräche und Verhandlungen der Mitglieder unseres Vorstandes mit den Abgeordneten der im Landtag vertretenen Parteien hätte es nie die Aussage in der Koalitionsvereinbarung vom Sommer 2005 gegeben, in der sich die Koalitionsfraktionen darauf festlegen, die Lehrerarbeitszeit zu reformieren (Koalitionsvereinbarung, S. 35):

»Die Lehrerarbeitszeit wird flexibler und gerechter gestaltet.«

Dabei ist festzuhalten, dass die Oppositionsparteien von heute bis 2005, als sie noch die Regierung stellten, für unser Anliegen nur Hohn und Spott übrig hatten. Die SPD hat uns nie einen Gesprächstermin eingeräumt, die Grünen nur, um uns zu bestätigen, dass sie unsere Klagen für völlig ungerechtfertigt hielten. Frau Sylvia Löhrmanns Sorgen galten dem Lärmpegel, dem sich Sportlehrer während des Sportunterrichts ausgesetzt sehen. Seit dem Regierungswechsel scheint sich nun so etwas wie ein langsamer Sinneswandel abzuzeichnen, bei den Grünen deutlicher als bei den Sozialdemokraten.

Wer all das nicht glauben will, sollte die Fraktionsbüros der CDU und FDP im Landtag anschreiben, anrufen oder anmailen und sich darüber berichten lassen, welche Verbände und Vereinigungen sich dort für eine Reform der Lehrerarbeitszeit und eine Verringerung der Belastungen für KorrekturfachlehrerInnen eingesetzt haben. Diese Feder können sich weder der Philologenverband noch GEW an den Hut stecken, weil sie jahrelang das Problem totgeschwiegen haben und – nachdem dies unmöglich geworden war – ihr Heil darin sehen, jeden Versuch einer Reform zu hintertreiben, zum Teil gegen den Willen eines nicht unbeträchtlichen Teils ihrer eigenen Mitglieder. Die VLG-Alternativen haben das Problem zwar nicht verdrängt, aber sie haben nichts getan, um Abhilfe zu schaffen.

Wer sich auf der Homepage des NRW-Landtags die Kleinen Anfragen, Fraktionsanträge und Debatten im Plenum anschaut, wird sogleich erkennen, wessen Argumentation die Abgeordneten der Regierungsfraktionen in ihre Stellungnahmen und Entscheidungen aufgenommen haben. Wen auch das noch nicht überzeugt, dem seien die Stellungnahmen der zur Anhörung des Schulausschusses am 6.6.2007 geladenen Sachverständigen zur Lektüre empfohlen:

Die VLG-Alternativen sind zu dieser Anhörung vom Landtag gar nicht erst eingeladen worden. Jeder Kundige weiß, warum: Die VLG hat sich noch nie anders mit dem Thema der Neuregelung der Lehrerarbeitszeit befasst als in gelegentlichen Verlautbarungen. Taten folgten aus ihnen nicht. Auch bei den Personalratswahlen 2008 verdient Shakespeares Warnung Beachtung: »And yet words are not deeds.«

Reinhard Heider