Gesundheitstage der Bezirksregierungen

Auf den von den Bezirksregierungen veranstalteten Gesundheitstagen werden den Kolleginnen und Kollegen viele wertvolle Tipps gegeben – zumindest nach Ansicht der Bezirksregierungen und damit des MSB.

Besonders der Ansatz von Professor Bernhard Sieland von der Leuphana Universität Lüneburg erfreut sich immer noch großer Beliebtheit. Dieser individualisierte Ansatz des emeritierten Psychologieprofessors, vor allem, wenn von ihm selbst in launigem Ton vorgetragen, macht es dem MSB so schön leicht, sich von aller Mitverantwortung an den als schlecht oder zumindest schwierig empfundenen – und das ist wichtig, zu betonen, dass die Betroffenen das Problem als solches nur empfinden – Arbeitsbedingungen freizusprechen. Stattdessen wird allein dem einzelnen Kollegen, der einzelnen Kollegin die Verantwortung für die Verbesserung seiner und ihrer Situation aufgebürdet.

Während dieser Gesundheitstage lernt man tatsächlich so kluge Sätze wie 'Wenn Sie nichts ändern, ändert sich nichts.' Oder man erfährt, dass man 'Nein' sagen müsse zu wichtigen Dingen, um noch wichtigere in Angriff nehmen zu können.

Vielleicht denken Sie nächstes Mal daran, wenn Sie sich entscheiden, die unwichtigere Deutscharbeit der 6c einfach nicht zu korrigieren, weil die Abiturarbeiten Englisch noch daliegen oder die nächste Q1-Klausur konzipiert werden muss?

Oder meinte der Tipp die Optionen, einen Sponsorenlauf zu organisieren oder eine Klassenfeier zu besuchen? Diese Qual der Luxuswahl hätten wohl viele Dauerkorrigierer gerne.

Dass Sie dauerhaft ein Dienstvergehen begehen, weil Sie sich am Wochenende und in den Ferien nicht erholen, wussten wahrscheinlich viele schon. Einige werden auch nicht überrascht sein zu hören, dass sie zu den 'interessierten Selbstgefährdern' gehören, wenn sie am Wochenende oder in den Ferien arbeiten. 'Ihr eigenes Arbeitshandeln gefährdet Ihre Gesundheit', 'Sie könnten etwas ändern, tun es aber nicht.' Diese Sätze des Psychologen klingen zynisch, wahrscheinlich unfreiwillig. Sie sind ernst gemeint, verkennen jedoch vollkommen die Realität. Den nicht intendierten Zynismus kann man leider noch steigern mit der Anklage des Referenten 'Statt Ihr eigenes Verhalten zu ändern, empören Sie sich über die anderen.'

Es geht hier nicht um ungerechtfertigte Empörung, sondern um die berechtigte Forderung nach Arbeitszeitgerechtigkeit!

Wenn Sie demnächst also wieder ein Dienstvergehen begehen müssen – denken Sie daran: Gemeinsam können wir etwas ändern! Bei der fehlenden Arbeitszeitgerechtigkeit und der Nichtberücksichtigung von Korrekturzeiten handelt es sich nicht um ein unabänderliches Naturgesetz, sondern um eine von Menschen gemachte gesetzliche Regelung, die quasi jederzeit geändert werden kann – wenn der politische Wille vorhanden ist. Helfen Sie uns, diese Veränderung herbeizuführen!