COPSOQ

Die COPSOQ-Untersuchungen stellen den ersten Schritt im Rahmen der personenbezogenen Gefährdungsbeuteilung dar, auf deren Grundlage ggf. erforderliche Maßnahmen für ein gesundheitserhaltendes und gesundheitsförderliches Arbeitsumfeld zu schaffen seien.

Das klingt sehr löblich und wenn es denn auch so funktioniert hätte, könnte man zufrieden sein.

Die Untersuchungsergebnisse liegen seit Jahren vor – und hat irgendein Kollege oder eine Kollegin eine Verbesserung der persönlichen Situation wahrgenommen?

Die Ergebnisse der sehr aufwändigen Untersuchungen – und das ist wenig überraschend – haben gezeigt, dass die Vereinbarung von Beruf und Privatleben problematisch ist. Und bei dem Formblatt, zumindest bei der ersten COPSOQ-Runde, war nicht einmal die Ankreuzmöglichkeit vorgesehen, deutlich zu machen, wie viel Zeit im Durchschnitt pro Woche für notwendige Korrekturen anfällt. Denn der Kardinalfehler der gesamten Untersuchung besteht darin, dass das Analyseinstrument nicht unterscheidet zwischen obligatorisch und fakultativ zu bewertenden Schülerarbeiten - jeder Test, jede Hausaufgabe wird so gerechnet wie eine Klausur oder Klassenarbeit, die sich vom Korrekturaufwand her um Größenordnungen unterscheiden, wie jeder Praktiker weiß.

Wenn man also realistische Zahlen zugrundelegt – z. B. die der Untersuchungen, die die „Vereinigung der KorrekturfachlehrerInnen e.V.“ selbst durchgeführt hat (hier) –, sieht die Belastung durch Korrekturen entschieden gravierender aus.

Ein weiteres Ergebnis der Untersuchungen zu den psychischen Gefährdungen am Arbeitsplatz ist, dass Burnout-Symptome bei Lehrkräften weiter verbreitet sind als im Querschnitt aller Berufsgruppen.

Es muss Gott sei Dank nicht gleich um Burnout gehen – aber es ist schlimm genug, unter psychischen Belastungen zu leiden, weil man kaum Zeit für die Familie und sich selbst hat und weil man weiß, dass man es nie allen recht machen kann.

Als Konsequenz aus den Untersuchungen sieht COPSOQ individuelle Maßnahmen für jede einzelne Schule vor. Gewiss mögen auch individuelle Maßnahmen sinnvoll sein, jedoch verschleiert der Blick auf das Einzelne bzw. den/die Einzelne/n das systemische Problem.