Verhaltensorientierte versus verhältnisorientierte Änderung

Immer wieder bekommen Kolleginnen und Kollegen gespiegelt, dass es an ihnen liege, wenn sie mit der vom Dienstherrn vorgesehenen Wochenarbeitszeit – für die sie auch nur bezahlt werden – nicht hinkämen: Sie seien halt selber schuld, nicht nur, weil sie sich selbst für die Fächer entschieden hätten, sie seien zudem auch noch zu genau, perfektionistisch, neigten zu Selbstausbeutung oder hätten ein falsches Zeitmanagement.

Sie müssten einfach eine andere Persönlichkeit oder Verhaltensweise erwerben oder in einer Fortbildung lernen, sich ihre Zeit besser einzuteilen – dann kämen sie schon mit der Zeit hin. Man muss mit der Zeit hinkommen – zu diesem Ergebnis kommen ja perfiderweise auch die Gerichtsurteile.

Zu masochistischer Selbstausbeutung neigt sicherlich kaum jemand – höchstens aus Angst vor dienstlichen Konsequenzen beuten Kolleginnen und Kollegen sich selber aus, denn wenn sie nicht innerhalb eines bestimmten Zeitraums gerichtsfest korrigierte Arbeiten zurückgeben, kann ihnen eine Dienstaufsichtsbeschwerde drohen.

Auch die gut gemeinte Hotline der Bezirksregierung, die man bei psychischen Belastungen anrufen kann, hilft einem keinen Schritt weiter. Die Sichtweise auf das Problem zu ändern sorgt nicht dafür, dass sich die Klausur von selbst korrigiert.

Lassen Sie sich nicht einreden, dass Sie nur Ihr Verhalten ändern müssten und dass Sie dann mehr Zeit für Ihr Privatleben hätten!

Die Verhältnisse müssen geändert werden, denn von alleine ändern sie sich nicht. Unsere Forderungen nach Anerkennung von Korrekturzeit als Arbeitszeit müssen politisches Gehör finden.